Sonderausstellung

Regelmäßig zeigen wir Ausstellungen zu besonderen Themen. Zum Beispiel über den Erfinder der Nivea-Creme, Oscar Troplowitz, oder über die fotografischen Arbeiten von Linda McCartney, die Rock-Stars der Sechziger Jahre porträtiert hat. Oder über die Werke heutiger jüdischer Künstler/innen.

Aktuell zeigen wir die Ausstellung „Fritz Bauer. Der Staatsanwalt – NS-Verbrechen vor Gericht“.

Fritz Bauer. Der Staatsanwalt - NS-Verbrechen vor Gericht

Fritz Bauer hat als Generalstaatsanwalt und Initiator des Frankfurter Auschwitz-Prozesses bundesrepublikanische Geschichte geschrieben. Im größten Nachkriegsprozess der BRD stellte er den NS-Staat in den Mittelpunkt des Verfahrens und nicht nur einzelne Straftäterinnen und Straftäter. Mit dem Frankfurter Auschwitz-Prozess wurde das Schweigen über das unvorstellbare Leid im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau und auch über den Holocaust gebrochen. Der Gerichtssaal wurde zu einem Klassenzimmer der Nation. Die Ausstellung „Fritz Bauer. Der Staatsanwalt. NS-Verbrechen vor Gericht“ thematisiert sowohl seinen Einsatz im Ausschwitz-Prozess, die Beteiligung an der Überführung Adolf Eichmanns als auch seine eigene Lebensgeschichte, die die großen Verwerfungen des 20. Jahrhunderts spiegelt. Fritz Bauer soll durch die Ausstellung einem größeren Publikum vorgestellt werden.

Im NS-Staat wurde Fritz Bauer als Sozialdemokrat und Jude ausgegrenzt und verfolgt. Er rettete sich in die Emigration, zunächst nach Dänemark, dann nach Schweden. Auch im Exil setzte er sein politisches Engagement fort. Fritz Bauer kehrte nach Ende des Zweiten Weltkriegs nach Deutschland zurück und wurde zu einem der bedeutendsten und juristisch einflussreichsten jüdischen Remigranten im Nachkriegsdeutschland.

Als Staatsanwalt revolutionierte er das überkommene Bild dieses Amtes. Er konfrontierte die Nachkriegsgesellschaft unnachgiebig mit ihrer eigenen Vergangenheit. Für ihn waren Schutz und Würde des Einzelnen, insbesondere vor staatlicher Gewalt, wichtiger als eine Staatsräson um jeden Preis. Sowohl in Frankfurt als auch in Braunschweig ließ er den Artikel 1 des Grundgesetzes an die Gerichtsfassade anbringen. Die Ausstellung weist diesem Selbstverständnis Bauers einen besonderen Stellenwert zu. Außerdem kämpfte Fritz Bauer als einer der Ersten um die Rehabilitation der Widerstandskämpfer vom 20. Juli 1944.

Die Ausstellung dokumentiert die verschiedenen Lebensstationen Bauers: Kindheit und Jugend Bauers im Kaiserreich und in der Weimarer Republik sowie die Stuttgarter Jahre, auf die die Emigration nach Skandinavien folgte. Auch die Exilzeit wird umfangreich behandelt. So werden beispielsweise Dokumente der dänischen Ausländerbehörde erstmals gezeigt. Bauers Wirken in der jungen Bundesrepublik, die Beteiligung an der Ergreifung Adolf Eichmanns und der Frankfurter Ausschwitz-Prozess sind zentraler Bestandteil. Zudem soll seine Rolle als Sozialdemokrat näher beleuchtet werden und so dem Narrativ eines kämpfenden Außenseiters ein Stück entgegengewirkt werden. Mit dem bisher wenig beleuchteten Kapitel der Wiedereingliederung ehemaliger Nationalsozialisten in die bundesrepublikanische Gesellschaft zur Zeit des Kalten Krieges erforscht die Ausstellung auch den Kontakt Bauers zu der Generalstaatsanwaltschaft der DDR, die Einsicht und Austausch von Beweisdokumenten anboten. Bauer nahm als einer von wenigen Generalstaatsanwälten das Angebot an, um die juristische Aufarbeitung von NS-Verbrechen voranzubringen.

Kollegen und Freunde Fritz Bauers haben immer wieder die beeindruckende persönliche Präsenz des Generalstaatsanwalts hervorgehoben. Neben Dokumenten, Fotografien und Exponaten aus dem persönlichen Nachlass, sind es vor allem die zahlreichen Bild- und Tondokumente, mit denen die Besucher Fritz Bauer als glänzenden Rhetoriker, als streitlustigen Diskutanten und als nachdenklichen Gesprächspartner entdecken können.

Die Ausstellung wird am 15.10.2017 um 11:00 Uhr eröffnet. Sie ist zu sehen vom 16. Oktober 2017 bis zum 25. Februar 2018. Die Wanderausstellung war zuvor bereits in Frankfurt, Heidelberg, Köln und Dresden zu sehen.

„Fritz Bauer. Der Staatsanwalt – NS-Verbrechen vor Gericht“ ist eine Ausstellung des Fritz Bauer Instituts, Geschichte und Wirkung des Holocaust, Frankfurt am Main, in Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Museum, Frankfurt am Main, in Kooperation mit dem Thüringer Justizministerium.

Archiv:
25 Jahre Sonderausstellungen
im Jüdischen Museum Westfalen

1991 Der Davidstern. Zeichen der Schmach – Symbol der Hoffnung
1993 Clara de Jong: In der Nacht verloren. Die Deportation der Amsterdamer Juden 1940 bis 1945
1993 Lithographien von Salvador Dalí: Aliya
1993 Zeit und Erinnerung – Zeichnungen und Objekte des russisch-jüdischen Künstlers Igor Ganikowsky aus Moskau
1994 Agnes Lukacz, Zeichnungen aus dem Frauenlager Auschwitz
1994 Der 20. Juli 1944. Die Schulenburgs – Eine Familie im tragischen Konflikt zwischen Gehorsam und Hochverrat
1994 Faszination Jerusalem – Stadt der Sehnsucht und der Hoffnung
1994 Marc Chagall: „Und ich werde ziehen durch das Land…“.Lithographien
1995 „Die Gegenwart von Auschwitz“. Fotoausstellung
1995 Jüdische Lebenswege – Privatfotos dokumentieren Stationen aus dem Leben jüdischer Zwangsarbeiterinnen
1995 Zwei Freunde – Die jüdischen Maler Julo Levin und Franz Monjau
1996 Alfons Kunen: Dialog – Skulpturen und Bilder
1996 Verjagt, ermordet – Zeichnungen jüdischer Schüler 1936-1941
1997 Uri Shaked:„Simches“ – Bilder zu den jüdischen Festtagen
1997 Meer Akselrod, ein jüdischer Maler aus Russland
1998 Rose Ausländer – „Mutterland Wort“ 1901-1988
1998 Zeitenbruch – Jüdische Existenz in Rheinland-Westfalen 1933-1945
1999 Maren Heyne, Stille Gärten- beredte Steine. Fotografien jüdischer Friedhöfe
1999 Die Synagoge – Schnittpunkt jüdischen Lebens
2000 Harry Weber: Jerusalem, Stadt der Juden, Christen und Muslime
2000 Lichter in der Finsternis – Raoul Wallenberg und die Rettung der Budapester Juden
2001 Julo Levin zum 100. Geburtstag
2002 Johann-Gutenberg-Hauptschule Dülmen: „Mit euren Schatten…“
2002 Gisela Paul: Illustrationen zu Gedichten jüdischer Autorinnen
2002 Erich Maria Remarque – Der Weg zurück
2002 Zeichen des Alltags – Jüdisches Leben in Deutschland heute
2003 Tomasz Samek: mitten in europa – konzentrationslager majdanek
2003 Ketubbot – Arbeiten des israelischen Künstlers Armand Edery
2003 Installation „Die verbrannten Autoren“
2003 George Pusenkoff: Erased or not erased
2004 Dirk Vogel: Bilder der Gegenwart – Porträts von Juden in Deutschland
2004 Seligmanns Bücher – Von der späten Rückgabe des Eigentums jüdischer Flüchtlinge aus Hannover
2004 Sich fügen heißt lügen – Der Schriftsteller und Anarchist Erich Mühsam
2004 Dem Judenmord entkommen. Jüdische Überlebende in Lettland und Litauen. Berichte aus Ghettos und Konzentrationslagern
2005 Schatten überm Kinderland – eine Bilderzählung aus der Kunstwerkstatt der Städtischen Realschule Kalkar
2005 DESSA: Eine Hommage an das Kaufhaus N. Israel, Berlin 1815-1939
2005 Christian Gerson und Johannes Buxtorf
2005 Bozenna Biskupska: Auf dem Weg
2006 Die Mädchen von Zimmer 28 – Freundschaft, Hoffnung und Überleben in Theresienstadt
2006 Axel Baumgärtel: Von Berlin über Wien nach Israel und Jordanien
2006 Der Davidstern. Zeichen der Schmach – Symbol der Hoffnung
2007 Maria-Antonia Bußhoff: Ein Stern hat wohl noch Licht – Vom Antlitz des Anderen
2007 Anne Frank – eine Geschichte für heute
2007 David Bennett: Szenen aus der Bibel
2008 Petr Ginz. Prager Tagebuch 1941-1942
2008 So einfach war das. Jüdische Kindheit und Jugend seit 1945 in Österreich, der Schweiz und Deutschland
2008 Aviva Shemer: Tikun – Zurück zum Ursprung
2008 Jacob Pins. Holzschneider und Maler
2009 Sonderzüge in den Tod – Die Deportationen mit der Deutschen Reichsbahn
2009 Laula Plaßmann: Familienbilder
2009 Antisemitismus? Antizionismus? Israelkritik?
2009 Die Sixties – Porträt einer Ära. Fotografien von Linda McCartney
2010 Angekommen?! Lebenswege jüdischer Einwanderer
2010 Rosemarie Koczy: „Ich webe Euch ein Leinentuch“
2010 Alexander Dettmar: Painting to remember – Zerstörte deutsche Synagogen
2010 Menschen Steine Migrationen- Gegenwart und Vergangenheit jüdischen Lebens im Rheinland und in Westfalen
2011 Holger Luczak: Fotos
2011 John Elsas: Der Gespenster Berg – Collagen und Aquarelle
2011 Grigory Berstein: Mammeloschen
2011 André Citroën
2011 Vergessene Rekorde – Jüdische AthletInnen vor und nach 1933
2012 Nevin Toy-Unkel und Dirk Vogel: Gesichter der Einwanderung im Revier
2012 Verwischte Spuren – Erinnerung und Gedenken an nationalsozialistisches Unrecht in Westfalen
2012 Ein Kreativprojekt des Paul-Spiegel-Berufskollegs: Welche Farben hat die Toleranz?
2012 „Das Wunder im Dünensand“ Tel Aviv – Magie einer Metropole
2012 1, 2, 3 … Billy Wilder. Fotografien
2013 Samuel Jessurun de Mesquita
2013 Die Judenschule ‒ Fotografien von Thomas Sandberg
2013 Alexander Dettmar_ „Dem Brückenbauer Berthold Beitz“
2014 Oscar Troplowitz – Inhaber der Fa. Beiersdorf und Kunstmäzen
2015 Heimatkunde – Westfälische Juden und ihre Nachbarn
2015 Geächtete. Sinti und Juden im Werk von Otto Pankok
2016 HEIMATSUCHER. Schoah-Überlebende heute
2016 Yuri Kharchenko: Wege des Unsichtbaren
2016 Herlinde Koelbl: Jüdische Portäts
2017 „Eine Geschichte von Vernichtung und Überleben – Der Holocaust im galizischen Erdölrevier“