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Kleiner Leitfaden zum jüdischen Friedhof in Dorsten

Der sog. ‚Judenbusch' birgt den jüdischen Friedhof Dorstens – einer von 2.000 in Deutschland. Wer sich zum Stadtteil Feldmark im Naturpark Hasselbecke aufmacht, wird ihn dort unter Bäumen gelegen auffinden.

Eine soeben erschienene Broschüre des Jüdischen Museums versteht sich als allgemeinverständliche Handreichung für Interessenten, die über diesen ‚Guten Ort' nähere Informationen erhalten möchten: Allgemeine Hinweise über Stätten des jüdischen Lebens und Sterbens, beispielhafte Erläuterungen zu Dorstener jüdischen Familien und ihren Grabsteinen sowie die Übersetzungen der hebräischen Inschriften sind hier zusammengetragen und mit aktuellen Fotografien illustriert. Für einen Besuch werden abschließend einige praktische Hinweise gegeben.

Walter Schiffer M.A. und Elisabeth Cosanne-Schulte-Huxel haben den Text erstellt. Das Heft ist ab sofort im Museum für 5 EUR erhältlich. Im Herbst werden wir eine Führung auf der Grundlage des Leitfadens anbieten.

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Margot Spielmann-Preis 2014
Jugendgeschichtswettbewerb des Jüdischen Museums Westfalen
Das Jüdische Museum Westfalen schreibt auch in diesem Jahr, erstmals unter neuem Namen, wieder einen Schülerwettbewerb aus für Erstlingsarbeiten junger Forscher (Jahresarbeiten / Facharbeiten von Schülern etc.). Dazu sind die Schülerinnen und Schüler aller Schulformen aus Westfalen und dem Rheinland, aufgerufen, ihre Facharbeiten, Wettbewerbsbeiträge, Projekte u. ä., die einen thematischen Bezug zur deutsch-jüdischen bzw. lokalen jüdischen Geschichte und Gegenwart oder zur Religion haben oder sich mit Themen aus der Zeit des Nationalsozialismus befassen, beim Jüdischen Museum Westfalen einzureichen. Möglich sind z.B. auch Arbeiten aus dem Deutschunterricht zu Werken jüdischer Autoren oder mit jüdischem Inhalt, wie der Roman Hiob von Joseph Roth, oder aus weiteren Fächern wie Religion, Praktische Philosophie usw. Es gibt auch die Möglichkeit einer Vergabe von Sonderpreisen für Gemeinschaftsarbeiten.

WIe läuft der Wettbewerb an? Wer war Margot Spielmann?

Wie läuft der Wettbewerb ab?
Die eingereichten Arbeiten sollten bitte mit einem kurzen Anschreiben versehen werden, das den Verfasser der Arbeit mit Namen, Adresse, Emailadresse und Schulanschrift sowie Alter und Jahrgangsstufe nennt. Die Arbeiten können auch als PDF-Datei gemailt oder als CD eingereicht werden.
Einsendeschluss ist der 31. Juli 2014.

Eine Jury, bestehend aus Deutsch- und Geschichtslehrern und Historikern, wird die Arbeiten eingehend prüfen und die drei besten Arbeiten zur Prämierung vorschlagen. Die Preise bestehen in Büchern zur jüdischen Geschichte und Kultur.

Die Jury wird die Ergebnisse des Wettbewerbs Ende 2014 in einer kleinen Feierstunde im Museum vorstellen und die Preise überreichen.
Für Nachfragen und Auskünfte wenden Sie sich bitte an Thomas Ridder (02362-951431 oder ridder@jmw-dorsten.de).

Wer war Margot Spielmann?
Margot war ein jüdisches Mädchen aus Gelsenkirchen, geboren am 21. Mai 1926. 1942 wohnte sie mit ihrer Mutter Luise Kopf, dem Stiefvater Curt Kopf und ihrer Großmutter Henriette Breuer in einem sogenannten Judenhaus in der Augustastraße 7 in Gelsenkirchen.

Luise und Curt Kopf versuchten zusammen mit ihrer Tochter Margot in das unbesetzte Frankreich zu fliehen, wurden aber auf der Flucht verhaftet. Das schwer zuckerkranke Mädchen erlitt einen Schock und kam in ein Krankenhaus in Mülhausen, während ihre Eltern getrennt und deportiert wurden. Ihre Mutter saß bis zu ihrer Deportation im Zuchthaus in Münster ein. Margot verblieb im Krankenhaus in Mülhausen. Dort verstarb sie vermutlich im Spätherbst 1942. Die behandelnde Ärztin teilte später mit, dass Margot –vor ihrem Abtransport – in ein tiefes Koma gefallen sei. Man habe sich im Krankenhaus absichtlich nicht mehr um die Rettung bemüht, um ihr Deportation und Ermordung zu ersparen.

Das Jüdische Museum Westfalen zeigt in seiner Dauerausstellung ein Poesiealbum von Margot Spielmann. Unter den Eintragungen finden sich die Namen weiterer junger Mädchen, die ebenfalls deportiert und ermordet wurden. Mit der Benennung des inzwischen etablierten Jugendgeschichtspreises nach Margot Spielmann möchten wir die Erinnerung an sie und viele andere Jugendliche aus der Region wachhalten.

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Oscar Troplowitz

Der aus dem schlesischen Gleiwitz stammende Oscar Troplowitz (1863–1918) war bis zu seinem Tod Eigentümer der Fa. P. Beiersdorf in Hamburg. 1890 hatte er das kleine Labor von Paul C. Beiersdorf übernommen und innerhalb von wenigen Jahren zu einem international operierenden und überaus erfolgreichen Unternehmen mit über fünfhundert Angestellten gemacht. In dieser Zeit schuf er Marken, die die meisten Menschen bis heute gut kennen: Leukoplast, Labello, Nivea und viele andere Produkte des täglichen Lebens.

Sein wachsendes Vermögen erlaubte es Troplowitz, sich im sozialen, ehrenamtlichen und kulturellen Bereich zu engagieren. Kurz nach Übernahme der Geschäfte reduzierte er beispielsweise die wöchentliche Arbeitszeit in seinem Unternehmen, führte einen Rentenfonds, eine Stillstube und viele andere Absicherungen für seine Mitarbeiter ein. Außerdem förderte er die Künste und die Bildung. Troplowitz war eine der herausragenden Gestalten unter den jüdischen Mäzenen der deutschen Kaiserzeit. Jüdische Deutsche hatten seit Ende des 19. Jahrhunderts bis zur Nazi-Zeit einen weit überproportionalen Anteil am Aufbau der kulturellen Güter in Deutschland. So wie andere Stifter dieser Epoche zeichnete auch Troplowitz aus, dass dieses Mäzenatentum nicht nur der Kultur, sondern der Sozialfürsorge gleichermaßen galt. Dahinter stand ein umfassenderer humanistischer Anspruch, Verantwortung für das Allgemeinwohl zu übernehmen.

Die Ausstellung widmet sich dem Leben dieses Mannes, seinem Wirken, seinen bekannten Produkten. Durch die ausgestellten Dokumente, Fotos, historischen Produkte, Verpackungen und Werbetafeln wird der faszinierende Charakter eines Erfinders, Unternehmers, Kunstliebhabers und Mäzens gewürdigt, der heute beinahe vergessen ist.

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2004 © jmw-dorsten.de zum Seitenanfang