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Oscar Troplowitz

Der aus dem schlesischen Gleiwitz stammende Oscar Troplowitz (1863–1918) war bis zu seinem Tod Eigentümer der Fa. P. Beiersdorf in Hamburg. 1890 hatte er das kleine Labor von Paul C. Beiersdorf übernommen und innerhalb von wenigen Jahren zu einem international operierenden und überaus erfolgreichen Unternehmen mit über fünfhundert Angestellten gemacht. In dieser Zeit schuf er Marken, die die meisten Menschen bis heute gut kennen: Leukoplast, Labello, Nivea und viele andere Produkte des täglichen Lebens.

Sein wachsendes Vermögen erlaubte es Troplowitz, sich im sozialen, ehrenamtlichen und kulturellen Bereich zu engagieren. Kurz nach Übernahme der Geschäfte reduzierte er beispielsweise die wöchentliche Arbeitszeit in seinem Unternehmen, führte einen Rentenfonds, eine Stillstube und viele andere Absicherungen für seine Mitarbeiter ein. Außerdem förderte er die Künste und die Bildung. Troplowitz war eine der herausragenden Gestalten unter den jüdischen Mäzenen der deutschen Kaiserzeit. Jüdische Deutsche hatten seit Ende des 19. Jahrhunderts bis zur Nazi-Zeit einen weit überproportionalen Anteil am Aufbau der kulturellen Güter in Deutschland. So wie andere Stifter dieser Epoche zeichnete auch Troplowitz aus, dass dieses Mäzenatentum nicht nur der Kultur, sondern der Sozialfürsorge gleichermaßen galt. Dahinter stand ein umfassenderer humanistischer Anspruch, Verantwortung für das Allgemeinwohl zu übernehmen.

Die Ausstellung widmet sich dem Leben dieses Mannes, seinem Wirken, seinen bekannten Produkten. Durch die ausgestellten Dokumente, Fotos, historischen Produkte, Verpackungen und Werbetafeln wird der faszinierende Charakter eines Erfinders, Unternehmers, Kunstliebhabers und Mäzens gewürdigt, der heute beinahe vergessen ist.

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Kultur-Staatssekretär im Jüdischen Museum

Der Staatssekretär im nordrhein-westfälischen Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport, Bernd Neuendorf, stattete am 24. Januar 2014 dem Jüdischen Museum Westfalen einen ausführlichen Arbeits- und Informationsbesuch ab. Er informierte sich vor Ort im Gespräch mit MitarbeiterInnen und Vorstandsmitgliedern über alle Seiten der Museumsarbeit: Zu den Themen gehörten die Konzeption des Hauses und seiner Dauerausstellungen, die bürgerschaftliche Entstehungsgeschichte, die pädagogische Arbeit, Vorträge und Kulturangebote, Fortbildungen für Multiplikator/innen und die laufende Forschungstätigkeit am Beispiel des Projekts "Heimatkunde – Juden, Nachbarn, Westfalen".

Neuendorf (er ist übrigens Historiker) zeigte sich beeindruckt von der Vielfalt und vom Ausmaß der in Dorsten von einem kleinen hauptberuflichen und großen ehrenamtlichen Team geleisteten Arbeit. Wie hier die jüdische Geschichte als beispielhafte Minderheitenerfahrung ohne erhobenen Zeigefinger und lebensweltnah, z.B. anhand von Biografien, präsentiert wird, bezeichnete er als zukunftsweisend. Der Staatssekretär nahm außerdem Einblick in die tagesaktuelle Arbeit mit einer Grundschulklasse der Dorstener Antoniusschule.

Anlass dieses Besuch war ein neues, 2013 gestartetes Förderprogramm des Landes Nordrhein-Westfalen zur Erinnerungskultur. Der Politiker wurde begleitet von Dr. Hans Wupper-Tewes, Referatsleiter in der Landeszentrale für politische Bildung, die dieses Förderprogramm entwickelt hat und verwaltet. Aus diesem Haushaltstopf erhält das Jüdische Museum jährlich eine Summe von 35.000 EUR als "verlässliche Projektfinanzierung". Mit der genannten Summe kann ein kleiner, aber nennenswerter Teil der Zukunftssorgen des Museums ausgeräumt werden. Neuendorf äußerte die Hoffnung, dass es gelingen möge, in naher Zukunft neben Stadt Dorsten, Kreis Recklinghausen und dem Land NRW weitere Partner wie z.B. den Landschaftsverband Wesfalen-Lippe oder den Bund in die dauerhafte Unterstützung und Weiterentwicklung des Jüdischen Museums einzubinden.

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"Angestiftet" - Stadtentdeckung 2013

45 Veranstaltungen, ca. 200 aktiv Beteiligte, fast 3000 Besucher/innen – da ist viel zu berichten über die beiden Septemberwochenenden unter diesem Titel – Lesungen, Musik, Stadterkundungen, Gespräche und Ausstellungen, angeregt und organisiert durch das Jüdische Museum und die Kuratorin Marion Taube.

Die besondere Dokumentation des Dorstener Entdeckersommers "Anstiftung zur Stadtentdeckung" liegt jetzt als künstlerische Edition in limitierter Auflage vor zum Preis von 9,- Euro. Der Verkauf des Magazins "Angestiftet – Die Dokumentation zum Dorstener Anstiftungssommer 2013" hat endlich begonnen! Trotz limitierter Auflage haben alle, die sich nostalgisch erinnern wollen, und die, die's verpasst haben, nun ihre Chance. Verkaufsstellen sind u.a. das Jüdische Museum, die "stadtinfo" und die inhabergeführten Buchhandlungen der Altstadt.

Man kann sich das Magazin auch vom Jüdischen Museum (info@jmw-dorsten.de) zuschicken lassen – dann kommen allerdings Versandkosten hinzu.

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Das Reifeisen-Buch ist da!

Mit einer neuen Veröffentlichung des Jüdischen Museums Westfalen "Mein liebes Ilsekind" – Mit dem Kindertransport nach Schweden – Briefe an eine gerettete Tochter (erschienen Ende Oktober) wird ein mehrjähriges Recherche- und Forschungsprojekt abgeschlossen. Ausgeliefert zum 75. Jahrestag der sog. "Polendeportation" 1938, von der auch die Dorstener Kaufmannsfamilie Reifeisen betroffen war, enthält der Band eine Briefauswahl und mehrere Analysen zu deren Geschichte. 2008 haben wir Elise Hallin (vormals Ilse Reifeisen) in Stockholm entdeckt. Ilse Reifeisen war als Kind mit ihren Eltern am 28. Oktober 1938 – wie ca. 17.000 andere staatenlose Juden polnischer Herkunft – nach Polen deportiert worden; die Familie konnte zum Zweck der "Geschäftsauflösung" zurückkehren. Im Dezember1939 gelangte dann die Tochter mit einem Kindertransport nach Schweden und entkam so als einziges Mitglied ihrer Familie der Shoah. Bis zur Deportation der Eltern nach Riga im Januar 1942 entwickelte sich ein intensiver Briefwechsel mit der in Schweden lebenden Tochter. 180 Briefe und Postkarten der Eltern sind erhalten geblieben und uns vor drei Jahren übereignet worden. 75 dieser Briefe werden hier veröffentlicht, sie sind von der Historikerin Andrea Niewerth mit erläuternden Texten versehen. Elisabeth Cosanne-Schulte-Huxel hat das Buch im Auftrag des JMW herausgegeben und ebenfalls Analysen beigesteuert. In der Buchedition findet sich auch ein Aufsatz zur Deportation der Familie Reifeisen nach Zbaszyn sowie ein Beitrag des Historikers Clemens Maier-Wolthausen vom Zentrum für Antisemitismusforschung an der TU Berlin zum bisher völlig unbeachteten Thema "Kindertransporte nach Schweden".

"Mein liebes Ilsekind". Mit dem Kindertransport nach Schweden – Briefe an eine gerettete Tochter. Hrsg. von Elisabeth Cosanne-Schulte-Huxel im Auftrag des Jüdischen Museums Westfalen, Essen (Klartext-Verlag) 2013, 19.95 EUR

Der Band wird Frau Hallin am 5.11. persönlich in Stockholm übergeben und ist ab sofort in der Buchhandlung des Museums erhältlich. Anlässlich des Weihnukka-Marktes im Jüdischen Museum wird das Buch dort am 30.11. um 15:00 Uhr mit einer Lesung auszugsweise vorgestellt.

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