Das Museum

Das Jüdische Museum West­falen liegt im Zentrum von Dorsten und hat sein Zuhause in einem Altbau-Gebäude aus der Jahr­hundert­wende-Zeit und einem großzügigen Anbau, der 2001 mit Hilfe des Landes NRW und der Stadt Dorsten errichtet wurde.

Der Neubau beherbergt neben der ca. 300 m² großen Dauerausstellungsfläche außerdem Veranstaltungssaal, großzügiges Foyer und Bibliothek. Der Baukörper kombiniert mehrere hintereinander gestaffelte Kuben. Hervorstechend und vielbeachtet ist die Klinkerfassade aus teilweise geborstenen Ziegeln, die dem Gebäude tagsüber und nachts besondere Effekte beschert. Die verwendeten Steine sind sogenannte „Fußsteine“, die bei den zum Brennen aufgestapelten Steinen unten liegen und durch diesen Druck unregelmäßig verformt werden. Ihre teilglasierten Oberflächen führen zu einem facettenreichen Farbspiel.

Der Altbau wurde 2002 renoviert und umgebaut. Er dient als Wechselausstellungsfläche und der Nutzung weiterer medialer Informationsangebote. Zur Geschichte dieses Gebäudes in der NS-Zeit (früher: Südwall 13) gibt es eine spannende Skizze hier. Ein kleiner Garten gibt in Veranstaltungspausen die Gelegenheit zur Erholung und versammelt eine kleine Kollektion von Skulpturen.

Das Jüdische Museum Westfalen ist barrierefrei: Sämtliche Ausstellungs- und Veranstaltungsräume sind für Rollstuhlfahrende und Gehbehinderte erreichbar.

Geschichte

Die Entstehung des Jüdischen Museums Westfalen geht auf eine Bürgerinitiative und Geschichtswerkstatt zurück: die Forschungsgruppe „Dorsten unterm Hakenkreuz“. Aus dieser Gruppe und ihren regionalgeschichtlichen Forschungen entstand 1987 ein Verein, der sich den Aufbau eines Dokumentationszentrums vornahm. 1992 konnte das Museum in einem kleinen Altbau in Dorstens Zentrum eröffnet werden – mit Unterstützung der Stadt Dorsten, der NRW-Stiftung und vieler anderer. Im Jahr 2001 erfuhr das Museum (im wesentlichen aus Landesmitteln) eine erhebliche Erweiterung.

Leitbild

Über Jahrhunderte lebten Juden in Westfalen und nahmen in unterschiedlichen Berufen und Funktionen am gesellschaftlichen Leben teil. Sie gründeten jüdische Gemeinden und Schulen, bauten Synagogen und gestalteten das Gemeinwesen mit. Ihr Leben unter der großen Mehrheit der Christen hatte Phasen von Duldung, Verfolgung und Emanzipation.

Durch die nationalsozialistische Diktatur wurden die deutschen Bürger und Bürgerinnen jüdischen Glaubens oder jüdischer Herkunft verfolgt und ermordet. Ihre Verfolgung und Deportation war in den Nachbarschaften, den Dörfern und Städten öffentlich sichtbar. Wenige nicht-jüdische Bürger und Bürgerinnen versuchten zu helfen, gaben ihnen Versteck oder verhalfen ihnen zur Flucht.

Als Zeitgenossen oder Nachgeborene jener, durch deren aktives Tun oder Geschehenlassen Juden und jüdische Traditionen ausgelöscht worden sind, fühlen wir uns mitverantwortlich, die Spuren jüdischen Lebens in Westfalen aufzufinden und zu bewahren. Wir wollen zum Verstehen des Judentums, seiner Religion und Kultur beitragen.

Die Geschichte der Diskriminierung, Verfolgung und Ermordung, aber auch der Emanzipation und des fruchtbaren Zusammenlebens sowie des Neuaufbaus jüdischer Gemeinden in Westfalen ist für uns Impuls, für die Menschenrechte und die demokratische Teilhabe der Menschen gleich welcher Religion und Herkunft im Alltag unseres Gemeinwesens einzutreten.