01 Jul ZEITZEUGENGESPRÄCH
MIT TAMAR DREIFUSS

ZEITZEUGENGESPRÄCH MIT TAMAR DREIFUSS

Am 20. Juni war die Holocaust-Überlebende Tamar Dreifuss auf Einladung des Gymnasiums St. Ursula im Jüdischen Museum Westfalen zu Gast.
Die 1938 in Wilna geborene Zeitzeugin schilderte mit privaten Fotografien und Ausschnitten aus ihrem Kinderbuch „Die wundersame Rettung der kleinen Tamar“, wie sie gemeinsam mit ihrer Mutter der Ermordung durch die Nationalsozialisten entging. Bewegend beschrieb Frau Dreifuss, wie sie zu ihrer Tante ziehen musste, dort als christliches Mädchen „Theresa“ ausgegeben wurde, während ihre Eltern in einem Kloster versteckt wurden.
Nach eineinhalb Jahren im Versteck kam Tamar schließlich ins Wilnaer Ghetto; von dort wurde sie später gemeinsam mit ihrer Mutter deportiert. Ein mutiger Fluchtversuch der Mutter gelang:  Sie zog der kleinen Tamar ein schönes Kleid an und spazierte gemeinsam mit ihrem Kind erhobenen Hauptes durch ein Lagertor: „Wir sind durch das Tor gegangen, einfach so!“ erzählt sie den Schülerinnen und Schülern von St. Ursula.
Tamar Dreifuss, die 1948 nach Israel emigrierte, lebt heute in Pulheim gemeinsam mit ihrem Mann: „Wilna war meine Heimat, Deutschland ist eine Aufgabe!“ konstatiert sie und erntet damit auch einige Lacher, die im Schlussapplaus untergehen.

Bild: C. Lissner