Zu den Aufgaben eines Museums gehört es auch, für zukünftige Ausstellungen und Forschungen zu sammeln. Was jetzt noch kaum vergangen erscheint, kann in einigen Jahren ein hochrelevantes Ausstellungsstück sein. Und unser Magazin enthält viele Schätze, die nur manchmal hervorgeholt werden.

Hier ein Stück, das 2016 neu erworben wurde: eine Rede, die der Dortmunder Rabbiner Benno Jacob, ein vielseitiger und kämpferischer Redner nicht nur in seiner Gemeinde, im Dezember 1918 aus Anlass der Novemberrevolution gehalten hat. Die Broschüre betont den jüdischen Patriotismus im Ersten Weltkrieg und die Tatsache, dass die Vorstellung eines einheitlichen und einflussreichen  Judentums unsinnig ist: Nur als „Abwehrgemeinschaft“ stehen die deutschen Juden zusammen, die ansonsten politische und religiös sehr verschiedene Wege gehen.

2018 konnten mit Hilfe einer größeren Privatspende mehrere Sammlungsstücke erworben werden – u.a. ein Briefwechsel von westfälischen Rabbinern sowie
ein Gedenktuch aus dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 über einen jüdischen Feldgottesdienst bei Metz – eine Ikone des jüdischen Patriotismus im Kaiserreich sozusagen.

Was dabei herauskommt, wenn ein Museum nach 30 Jahren etwas systematischer kritische Blicke auf seine Sammlung wirft, können Sie dieser Seite über unser
Provenienzforschungsprojekt 2020/2021 entnehmen.

Und immerhin etwa 70 Sammlungsstücke (Ritualgegenstände, Dokumente, Bücher, Alltagsgegenstände, Grafiken etc.) sind visuell und mit knappen Erläuterungen auch im kooperativen Projekt museum-digital:westfalen zugänglich! An der weiteren Digitalisierung wird gearbeitet…

 Bessamimdose (Thomas Ridder/Jüdisches Museum Westfalen Dorsten CC BY-NC-SA)