Portrait von Rosi Wolfstein

Die Frauen verlangen nicht länger nur Objekt zu sein – Rosi Wolfstein

Die Frauen verlangen nicht länger nur Objekt zu sein – Rosi Wolfstein

Von Hannah Zabinski

,,[Die Frauen] verlangen nicht länger nur Objekt zu sein, sie wollen ausüben die Rechte, die ihnen in der Verfassung zugesichert sind, sie wollen nicht mehr wegen einer angeblichen Unfähigkeit von irgendwelchen Berufen oder irgendwelchen Ämtern ausgeschlossen werden.‘‘

Dieses Zitat stammt von einer Frau, die nicht einfach nur sozialistische Politikerin war, sondern vor allem eine Revolutionärin im Kampf um die Frauenrechte – Rosi Wolfstein. Noch heute kämpfen viele Frauen um das, wofür sich Rosi Wolfstein schon vor 100 Jahren im Preußischen Landtag einsetzte. In einer Rede vom 16. Juni 1921 spricht sie davon, nicht länger zu dulden, aufgrund ihres Geschlechts gesellschaftlich degradiert zu werden, denn auch damals schon standen Frauen laut Verfassung dieselben Rechte zu wie Männern. In dieser Rede gibt sie den Frauen eine Stimme und verlangt ,,nicht länger nur Objekt zu sein‘‘, denn Frauen zählten damals – wie teils heute noch – zum schwächeren Geschlecht, welches sich dem Mann unterzuordnen hätte. Frauen aus bürgerlichen Familien waren oftmals Hausfrauen, Mütter und galten daher aufgrund ihrer vermeintlich sanften Natur als nicht geeignet für Berufe, in denen Männer dominierten. Die Arbeiterklasse hingegen, – der auch Rosi Wolfstein angehörte – sah schon lange anders aus. Hier war es für die Familien existenziell notwendig, dass auch die Frauen in verschiedenen Berufen tätig waren und hart arbeiteten.

Biografischer Hintergrund von Rosi Wolfstein

Portrait von Rosi WolfsteinAlma Rosali Wolfstein – später Frölich – wurde am 27. Mai 1888 als Tochter eines jüdischen Kaufmannes in Witten geboren. Sie absolvierte nach dem Besuch einer Höheren Mädchenschule – also einer Schule, die eine eher geistige, allgemeine Bildung anstrebte und nicht zum Abitur führte – wie ihr Vater eine kaufmännische Lehre, welche sie 1905 abschloss, und arbeitete anschließend mehrere Jahre als Angestellte.

Der politische Einstieg

Mit 19 Jahren trat Rosi Wolfstein dem Frauen- und Mädchen – Arbeiterverein Hagen bei und ein Jahr später dann der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands- kurz SPD. Ein paar Jahre später kam sie an die Parteischule der SPD in Berlin, wo sie die Politikerin und Vertreterin der europäischen Arbeiterbewegung Rosa Luxemburg kennenlernte. Diese unterrichtete dort und Rosi Wolfstein wurde eine von Luxemburgs Schüler*innen.

Der 1. Weltkrieg

Während des 1. Weltkrieges wurde Rosi Wolfstein mehrmals verhaftet aufgrund ihrer Mitarbeit in der Spartakusgruppe, die in dieser Zeit auf eine internationale Revolution des Proletariats hinarbeitete. Immer wieder beteiligte sie sich während des Krieges an verbotenen Treffen und vertrat beim Gründungsparteitag der USPD- Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands -, 1917 in Gotha die Spartakusgruppe. Im November 1918 wurde Rosi Wolfstein Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrates in Düsseldorf und Ende 1918 Vertreterin und Schriftführerin des Gründungsparteitags der KPD – Kommunistische Partei Deutschlands.Wahlplakat für den Spartakusbund

Weiterer politischer Werdegang

Aufgrund einer Rede in Gedenken an die Ermordung von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg wurde sie verfolgt und erneut mehrere Male verhaftet. 1921 wurde Rosi Wolfstein dann als Abgeordnete in den Preußischen Landtag gewählt, in dem sie blieb, bis sie wegen politischer Differenzen 1924 von ihrem Amt zurücktrat. Später wurde sie sowohl Mitarbeiterin als auch Partnerin des Politikers Paul Frölich, der ebenfalls Anhänger Karl Liebknechts und Rosa Luxemburgs war.

Exil und Flucht vor dem Nationalsozialismus

1933 flüchteten die beiden nach Belgien, nachdem Hitler Reichskanzler wurde. Drei Jahre später flüchteten sie weiter nach Frankreich, wo sich Rosi Wolfstein weiterhin als Mitglied der SAP – Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands, politisch engagierte. Da sie ab 1939 in Frankreich interniert war, ging das Paar 1941 mit einem Notvisum in die USA, wo sie 1948 heirateten.

Rückkehr nach Deutschland

Das Ehepaar lebte noch weitere drei Jahre in New York, bis sie 1951 zurück nach Deutschland gingen. Dort trat Rosi Frölich wieder der SPD bei. 1953 verstarb Paul Frölich im Alter von 68 Jahren in Frankfurt am Main. Rosi Frölich verwaltete ab dem Zeitpunkt seinen Nachlass und verstarb selbst am 11. Dezember 1987 im Alter von 99 Jahren wie ihr Ehemann in Frankfurt.

Bedeutung und Vermächtnis

Rosi Wolfstein-Frölich war also eine echte Kämpferin, Pionierin der Frauenbewegung und in gewisser Weise auch Heldin. Durch sie wurden die Rechte der Frauen in Deutschland nachhaltig geprägt und auch ihre Bindung zu Rosa Luxemburg sorgte dafür, dass ihr Erbe bis heute erhalten bleibt. Ihr intensiver Widerstand gegen Ungerechtigkeit und Unterdrückung zeugt von Herzblut und der Relevanz des Themas. Rosi Wolfstein-Frölich kann also ein Vorbild für viele Frauen in aller Welt sein, sich zu trauen für ihre Rechte einzustehen und ein starkes Miteinander zu schaffen.