29 Aug Geschichten aus der Sammlung, Teil 2: Ein bisher kaum genutzter Sammlungsbestand

Grafiken, Stiche, Zeichnungen – ein bisher kaum genutzter Sammlungsbestand

von Thomas Ridder, Kurator


Seit einigen Monaten läuft das Projekt zur Überarbeitung und Digitalisierung des Sammlungsbestandes. Obschon in den frühen 1990-er Jahren viele Exponate fotografiert wurden, damals klassisch auf Filmen und meist in schwarz-weiss, sind inzwischen zahlreiche Objekte neu fotografiert worden, jetzt digital. Die älteren Fotos konnten größtenteils in der Datenbank schon ausgetauscht werden.

Grafiken, Stiche, Zeichnungen bis zu einem Format A3 können im Haus auch gescannt werden. Dies erlaubt ein viel schnelleres Arbeiten als beim Fotografieren. Bei diesen Arbeiten geriet der Bestand von ca. 100 Grafiken und Stichen wieder einmal in den Blick. Die Grafiken wurden in der Gründungsphase des Museums bei vielen Händlern und auf Antikmärkten gekauft. Es gibt Darstellungen zu jüdischen Festen und Feiertagen, Porträts von vielen jüdischen und nichtjüdischen Personen, Darstellungen von Gebäuden, Synagogen und Friedhöfen. Dieser Sammlungsbestand ist bisher von wenigen Abbildungen abgesehen, weder in die Dauerausstellung eingeflossen, noch bei Wechselausstellungen genutzt worden, und lagert daher meist im Magazin. Inzwischen sind etwa 70 Grafiken gescannt und die farbigen Abbildungen in die Datenbank eingefügt. Dadurch kann der Bestand nun besser als bisher erschlossen werden. Etliche der Abbildungen könnten gut zur Illustrierung von Ausstellungen und Publikationen genutzt werden.

Bei der Überarbeitung werden auch Fehler entdeckt und korrigiert. Auf einer Porträtdarstellung mit der Beschriftung „von Vincke aus Westphalen“ findet sich eine Bleistiftnotiz „Ludwig Frhr. von 1774 – 1844“, möglicherweise von einem Händler notiert. Dargestellt ist aber sein Sohn Georg. Ludwig von Vincke war der erste Oberpräsident der preußischen Provinz Westfalen und damit auch höchster regionaler Entscheider in vielen jüdischen Angelegenheiten. Dies dürfte der Grund für den Ankauf des Stahlstichs gewesen sein. Sein Sohn Georg war zwar auch ein bedeutender Parlamentarier, aber nur zeitweise in Westfalen aktiv. Sein Porträt ist daher für unsere Sammlung nicht von besonderem Interesse.

Viele unserer Grafiken könnten aber durchaus für andere Museen als Leihgaben interessant sein. Durch die geplante Online-Präsentation unserer Sammlung könnte dieser Teil in den kommenden Jahren vermehrt genutzt werden.

(im August 2022)